Auf der Spătarului Strasse bei Nummer 22 gibt es ein Haus, das wegen der besonderen Energie eindrucksvoll ist. Wir werden heute das Melik Haus besuchen. So werden wir die Gelegenheit haben, ein Haus, eine Sammlung, ein Museum zu entdecken.

Auf unserer Reise werden wir von Frau Mihaela Murelatos, Konservator des Museums Theodor Pallady begleitet.
Die Geschichte eines besonderen Hauses

Als das älteste Wohnhaus von Bukarest, gibt es hinter den Mauern vom Melik Haus viele Geschichten, die erwarten offenlegt zu werden.

Mihaela Murelatos sagt uns, dass es um das Jahr 1760 gebaut wurde und der Name der Strasse, wo es sich befindet, vom ersten Besitzer kommt. „Der Name des Grossgrundbesitzers wurde nicht behalten, sondern nur sein Amt wurde behalten. Nach dem Tod dieses Grossgrundbesitzers von 1815, verkauften seine Nachfolger das Haus zum Preis von 1.400 Taler an einen armenischen Kaufmann, Kevork Nazaretoglu. Das Eigentum wurde ursprünglich gekauft, damit der armenische Kaufmann seinen Hof erweitert. Es scheint, dass er ein Nachbar war. Das Haus gefiel ihm, so dass er es im Jahre 1822 renovierte und hier umzog. Das Jahr 1822, das über der Eingangstür beschriftet wird, ist das Jahr, als das Haus zum ersten Mal renoviert wurde und es ist nicht das Baujahr”, erzählt der Konservator des Museums.

Kevork Nazaretoglu wohnte in diesem Haus bis 1847, als er starb. Danach wurde das Eigentum von einem Sohn Agop übernommen, der es als Vermögen seiner Tochter schenkte. Ana heiratete den Architekten Iacob Melik und von diesem Zeitpunkt an wird das Gebäude auf der Spătarului Strasse Nummer 22 als das Melik Haus bekannt.

Die wichtigen Ereignisse aus der Geschichte von Bukarest werden mit diesem Ort verbunden. Als Iacob Melik in Paris studierte, lernte er viele der künftigen Revolutionäre kennen, mit denen er sich befreundete. Ein Jahr später nach der Heirat mit Ana, im Jahre 1848, versteckte er im Dachboden des Melik Hauses drei Führer der revolutionären Bewegung: Ion Heliade Rădulescu, C. A. Rosetti und Ion C. Brătianu. „Sie dachten nicht daran, die Kinder der Revolution im armenischen Armeniertel zu suchen”, sagt Mihaela Murelatos.

Weil Melik sich in der Revolution beteiligte, sollte er das Land verlassen. Zusammen mit seiner Frau, mit seinem Schwiegervater und mit anderen 69 Revolutionären wurde er ausgewiesen. Er war neun Jahre alt verreist. Während dieser Zeitspanne lebte er in Istanbul und in Paris.

Nach dem langen Exil kam der Architekt ins Land im Jahre 1857 zurück. Er fand das Haus in einem schlechte Zustand, so dass er beschloss, es zu renovieren. Im Jahre 1857 wurde das Haus zum zweiten Mal renoviert.

„Die Melik Eheleute wohnten in diesem Haus bis zu ihrem Tod. Sie hatten keine Kinder. Ana überlebte ihrem Mann. Sie starb im Jahre 1913 in einem Brand, in diesem Haus. Vor Jahre vorher, im Jahre 1909 hatte sie ein Testament geschrieben, wodurch sie ihren Wunsch äusserte, dass nach ihrem Tod im Gebäude ein Asyl für die armen Frauen der armenischen Gemeinschaft organisiert wird. Das ist geschehen, aber nicht gleich nach ihrem Tod, sondern sieben – acht Jahre später. Die Prozesse für das Haus dauerten sieben Jahre lang, von 1913 bis 1920. Die Beteiligten waren die armenische Gemeinschaft einerseits und andererseits ein Neffe, ein Urenkel seitens des Mannes. Ein Urenkel, Eugen Melik, gewann das Haus im Jahre 1920 und renovierte es durch den Architekten Paul Smărăndescu. Zu diesem Zeitpunkt erfolgten auch die Wasser- und Stromversorgung. Ein Jahr später war das Testament von Ana stärker und laut ihrem Wunsch wurde es zum Asyl die armen Frauen der Gemeinschaft. Und es funktionierte als Asyl bis zum Ende der 40- er Jahre, in den Jahren 48-49”, erklärt sie uns.

Von diesem Zeitpunkt an wohnten hier die Mieter, aber im Jahre 1970 beschloss der Staat, dass ins Melik Haus die Kunstsammlung von Serafina und Gheorghe Răut gebracht wird. Diese Entscheidung rettete das Haus. Die armenische Gemeinschaft gab das Haus dem Nationalen Kunstmuseum ab, unter der Bedingung, dass das Gebäude als Museum renoviert wird und das Publikum Zugang hat.

Durch die Abteilung der öffentlichen Denkmäler wurde das Gebäude renoviert und im Monat Dezember 1971 dem Publikum eröffnet, das die Sammlung von Serafina und Gheorghe Răut bewundern kann.

Nach dem Erdbeben von 1977 wurden alle damaligen Sammlungen von Bukarest in den Romanit Palast gebracht, wo das Museum der Kunstsammlungen gegründet wurde. Infolgedessen verliess die Răut Sammlung das Melik Haus und das Gebäude wurde bis 1994 geschlossen. Auf den Druck der armenischen Gemeinschaft wurde es wieder geöffnet. Sie beantragten, dass entweder das Eigentum ihnen zurückerstattet wird oder das Haus sollte zum Museum werden.
Die Sammlung, wodurch das Melik Haus zum Museum wurde

Man kann behaupten, dass die Răut Eheleute durch ihre Sammlung zur Rettung des Melik Hauses beitrugen.

Nachdem wir die beeindruckende Geschichte von diesem Haus erfuhren, sollten wir auch andere interessante Geschichten über die Kunstwerke entdecken, die man im Melik Haus bewundern kann.

Die Malerei der französischen, holländischen, italienischen Schule, die Möbelstücke vom XVIII. Jahrhundert, die europäische und orientalische Keramik sind im Museum vorhanden, in dem wir Theodor Pallady entdecken können.
Mihaela Murelatos erwähnt, dass die Răut Eheleute niemals in diesem Haus wohnten, aber es scheint, dass es ihnen gefiel.

Zwischen dem Melik Haus und der Sammlung von Serafina und Gheorghe Răut gab es ein glückliches Treffen, infolgedessen ein Museum gegründet wurde, in dem der Besucher die ausgestellten Exponate bewundern kann. Hier herrscht eine besonders positive Energie, die man von Anfang an fühlt.

Man kann hier viele Geschichten erfahren. Die Răut Eheleute, die die Sammlung schenkten, liebten die Kunst. Gheorghe Răut war in der Zwischenkriegszeit der Direktor der Niederlassung von der Marmorosch Blank Bank aus Paris. Nach dem Bankrott dieser Bank blieb er in Paris.
Die Răut Eheleute wohnten in einem Gebäude von Place Dauphine 12. Einen Stock höher wohnte der Maler Theodor Pallady, mit dem sie sich befreundeten.

Im Winter des Jahres 1939, verliess Pallady Parisul und überliess seine Wohnung den Răuț Eheleuten. Es war eine schwere Zeit für ihn, denn seine Freundin und sein Modell Yvonne Cousin gestorben war. Der Maler wollte ins Land zurückkommen. Er kam niemals nach Frankreich zurück und starb im Jahre 1956.
Als die Răut Eheleute dem rumänischen Staat am Ende der 60-er Jahre zwei Viertel von ihrer Kunstsammlung schenken, werden ins Land auch alle Gegenstände, die in der Wohnung von Pallady vorhanden waren, geschickt. Die Eheleute wünschten sich, dass das Museum, das mit der von ihnen geschenkten Sammlung eröffnet wird, den Namen Theodor Pallady hat. „Aus diesen Gründen sind wir im Melik Haus, mit der Sammlung von Serafina und Gheorghe Răut, im Museum Theodor Pallady”, erklärt uns Mihaela Murelatos.

Die Bewunderer von Theodor Pallady haben die Gelegenheit, wenn sie das Melik Haus besuchen, einen wichtigen Teil von seiner Graphik zu entdecken. Die Sammlung des Museums umfasst ungefähr 800 Arbeiten.
Es ist schwer zu sagen, welches Exponat das beste ist. Im Erdgeschoss kann man die Kunstwerke von Pallady bewundern. Sie wurden gemalt, als der Künstler in Paris war. Man kann auch die Akte sehen, die für diesen Künstler spezifisch waren.

Es gibt ein besonderes Bild, das unsere Aufmerksamkeit erregt. Das Bild schildert einen Platz, den der Künstler besonders liebte: das Gebäude, in dem er und die Răut Eheleute in Paris lebten. „Irgendwo in der Ferne sieht man den Dauphine Platz, der in der Malerei und Graphik des Künstlers häufig erscheint. Dieses Kunstwerk wurde unterzeichnet, er malte das Bild, als er in Paris war. Es ist ein Öl auf Karton. Pallady malte vor allem auf Karton. Er malte dieses Bild auf einfachem Karton”, erklärt uns der Konservator des Museums.

Was die Möbelstücke anbetrifft, die man im Gebäude bewundern kann, weiss man nicht mehr genau, ob sie der Răut Eheleute oder dem Maler Pallady gehörten. Die meisten sind frazösisch und heben die Art und Weise hervor, wie man damals lebte. Es gibt auch Möbelstücke mit spanischen Einflüssen (die Cordoba- Lederstühle).
Die Verbindung mit Rumänien wird durch eine Reihe von Gegenständen, die man im Museum bewundern kann, betont. Zum Beispiel, auf einer Mauer wird eine Rinde aus Bessarabien ausgestellt, die von den Vertretern dieser Institution regelmässig mit zwei iranienischen Vorhängen ersetzt wird.

Nicht nur die Kunstwerke von Pallady können Sie bewundern, wenn Sie das Melik Haus besuchen. Im Stockwerk kann man die Zierkunst, die persische, chinesische Keramik, die kleine Bildhauerei, die indische Kunst usw. bewundern. „Es ist eine gemischte Sammlung, welche die Anlieben der Sammler und ihre finanziellen Möglichkeiten widerspiegelt. Die Bilder sind klein, so dass sie zur Wohnung passen”, erwähnt Mihaela Murelatos.


